Folge 73: Die Bundesregierung und die Energiekrise, Elise-Export und Mercedes CLA 250+ EQ
Wir besprechen, warum die Überführung einer Lotus Elise in die USA ein bürokratischer Hindernislauf ist, wie Mercedes mit dem neuen CLA ein durchaus interessantes, technisch fortschrittliches und emotionales E-Auto gebaut hat und warum die aktuelle Bundesregierung scheinbar mehr auf Sichtbarkeit als auf Wirkung setzt.
Lotus-Import & US-Pragmatismus
Sebastian hat Nägel mit Köpfen gemacht: Der Porsche ist bereits verkauft, was dank (oder trotz) einer performance-orientierten Ausstattung überraschend schnell ging. Deutlich komplizierter gestaltet sich das Vorhaben, die geliebte Lotus Elise mit in die neue Heimat zu nehmen. Während die US-Behörden (EPA und Sicherheitsbehörden) den Import von Nicht-US-Modellen eigentlich strikt untersagen, öffnen sich für Fahrzeuge über 21 bzw. 25 Jahre Hintertüren. Beeindruckt zeigt sich Sebastian vor allem von der amerikanischen Behördenkultur: Ein kurzer Dienstweg zum Emissions-Supervisor in Denver ersetzte langwierige deutsche Bürokratie-Hürden und offenbarte eine begeisterte Hilfsbereitschaft, um das Auto auf die Straße zu bekommen.
Auch hier der Aufruf: Wer Erfahrungen damit hat, ein Auto IN die USA zu importieren, möge sich bitte melden.

Mercedes CLA: Der emotionale Lademeister
Clemens konnte den neuen Mercedes CLA (250+ 4MATIC EQ) testen und ist sichtlich angetan. Das Fahrzeug räumt mit dem Vorurteil auf, Elektroautos seien emotionslos: Mit einer flachen, aerodynamischen Silhouette und einer Sitzposition, die an klassische Gran Turismos erinnert, macht der Wagen sofort Fahrfreude. Technisch hat der CLA Dinge zu bieten, die man sonst nur aus der Oberklasse, wie dem Taycan, kennt, etwa mit dem effizienten Zweigang-Getriebe an der Hinterachse. Besonders beeindruckend: In der Praxis konnten Ladeleistungen von bis zu 350 kW gemessen werden, was den Stopp an der Säule zur reinen Nebensache degradiert. Einzig die noch instabile Software trübte den ansonsten hervorragenden Gesamteindruck.

Hauptthema: Verkehrspolitik & der Populismus-Merz
In der aktuellen Energiekrise, die durch den Irankrieg und die damit verbundene Öl-Knappheit ordentlich Fahrt aufnimmt, regiert in Berlin offenbar eher das Prinzip Hoffnung als echte Expertise. Anstatt den Verbrauch strukturell zu senken, verfällt die Regierung in teuren Aktionismus: Das „Österreich-Modell“ für Spritpreise ist ein Rohrkrepierer, weil die Konzerne ihre Risiken einfach mit dicken Sicherheitsaufschlägen einpreisen. Auch der Tankrabatt ist bei einem Angebotsschock das völlig falsche Instrument – er kurbelt die Nachfrage an, während das Öl knapp bleibt. Garniert wird das Ganze mit symbolischen Grenzkontrollen, die man im nächsten Dorf locker umfahren kann, und sozialen „Gaben“ wie der Entlastungsprämie, ein Geldversprechen, das jemand anderes (die Arbeitgeber) zahlen soll. Da bleibt letztlich vor allem die Frage zu klären: Ist das Absicht oder Inkompetenz?

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Bilder: Deutscher Bundestag, Clemens Gleich, Sebastian Bauer

Ein Gedanke zu „Folge 73: Die Bundesregierung und die Energiekrise, Elise-Export und Mercedes CLA 250+ EQ“
Ui das war eine spannende Folge, die sich zum Schluß ein wenig nach Borderline angefühlt hat.
Erst hoffnungsvoll die nextgen Groko gewählt, obwohl man ja wirklich hat wissen müssen, dass die beiden keinerlei Zukunftskonzepte haben bzw. nur noch mehr Sozialdruck und Umverteilung nach oben.
Ihr habt deren Untaten dann aber ja auch absolut präzise und grandios analysiert.
Auch der Verdacht des Zustandekommens durch Hanlon’s Razor verdächtiger Gruppenprozesse ist scharfsinnig. Ich meine mich auch zu erinnern, dass Porsche-Christian mal über seinen Tankrabatt ausgeplaudert hat, dass schon der ähnlich zustande gekommen sei.
Und dann Sebastians Schlussworte, von wegen Borderline:
„Wir müssen uns wohl auf eine schwarz-blaue Regierung einstellen [evtl. sogar vorzeitig] …. damit macht’s gut, wir wünschen Euch einen wunderschönen [Wonnemonat] Mai ….“
Boah, das nun war jetzt aber kein positiv-psychologisches Glanzstück. Das war bestimmt ehrlich und nett so gemeint, weiß ich. Es kam als Fazit und von jemandem, der sich gerade aus Deutschland verabschiedet, aber als echt harter Zynismus rüber.
Vorher aber war da noch Clemens’ Exkurs zu Batterien und Netzkosten. Ihr hab ja um Feedback gebeten, und das ist ja bekanntermaßen mein Steckenpferd. Der Kürze der Passage geschuldet mag ich da etwas falsch verstanden haben, aber da, Clemens, liegst Du völlig daneben.
Oder sagen wir lieber, ich habe zumindest das starke Bedürfnis, da einiges geradezuziehen.
Sorry vorab für die Länge, wen’s nicht interessiert, sollte hier nicht weiterlesen.
Also, Großbatterien: Der Preisverfall (CAGR) betrug 84 % in den letzten 10 Jahren. Zum Überbrücken einer Dunkelflaute braucht man 10-20 TWh, bis 2035 evtl. 30. Die kosten nach aktuellem Kurs 1-3 Billionen €. Der exponentielle Preistrend ist aber intakt, es gibt Weiterentwicklungen und bereits erste Natrium-Batterien. Auch Gaskraftwerke zu bauen dauert mindestens 5, mitunter auch 12 Jahre, und in weiteren 10 Jahren werden Batterien wiederum nur noch 1/6 bzw. ~300 Mrd. kosten. Natrium gibt es überdies wie Meer am Sand und nicht nur aus der Wüste via Straße von Hormus.
Batterien müssen auch nicht vom Staat vorfinanziert und auf Stromkunden oder Steuerzahler umgelegt werden, sondern werden von Investoren bezahlt. In den 50 Wochen Nicht-Dunkelflaute jedes Jahres verdienen die ihre Kosten wiederum selbst mit Arbitragehandel., Und das sogar noch netzdienlich: statt dass wir Strom abregeln müssen, kaufen sie ihn zu Negativpreisen und speisen ihn abends auskömmlich teuer wieder ein. Und auch wenn einige Unken durchaus wahrscheinlich vorhersagen, mit mehr Batterieangebot könnte der Spread so weit sinken, dass die Kalkulation der Betreiber nicht mehr aufgeht und sie pleite, so what? Dann stehen die Dinger trotzdem da rum. Irgendwer wird sich schon finden, die weiterzubetreiben.
Was wir in der Zwischenzeit tun müssen? Nix! Vor allem keine Gaskraftwerke bauen.
Wir haben noch mehr fossile Kraftwerkskapazitäten als jemals Spitzenlast gehabt.
Alles, was man machen müsste, ist, den Netzbetreibern in den Hintern zu treten und sie zu zwingen, die Batterien anzuschließen. Das geht ganz einfach regulatorisch und kostenlos.
Man muss Habeck nicht mögen, und auch er lag mit Gaskraftwerken anstelle Batterien falsch.
Aber zumindest hatte Habeck einen *Kapazitäts*markt für vollständig Erdgas-frei mit H2 laufende Kraftwerke geplant.
Aber gerade die immer wieder von Politik-Populisten und fossil bezahlten Desinformanten behauptete Gleichsetzung seiner Pläne mit denen Reiches ist hochgradig unfair und ärgert mich maßlos.
Gas-Kathi nimmt ja die eigentlich zu 100 % als Dunkelflauten-Backup gedachte Funktion nur als Vorwand, noch mehr Gas im regulären Erzeugungsmarkt zu CO2 zu verbrennen. Christian Stöcker muss dringend sein Buch umbenennen.
Batterien machen außerdem die gleichzeitige Überbauung von PV-Kapazitäten lohnenswerter.
Es gibt eine spannende Studie, die als finanzielles Optimum konzertierten Umbau auf 100 % EE (ganz ohne fossiles Backup!) 2 Tage Speicherkapazität errechnet hat, nachzuhören beim „Alles wird Strom“ Podcast.
Gruselig falsch war auch die Erwähnung hoher Netzkosten und dass diese den EE zuzuschreiben seien.
Das ist die aktuelle Lieblingslüge der Fossillobby, leider ist nichts weiter von der Wahrheit entfernt. Wir zahlen z.Zt. 9,3 ct Netzentgelte für JEDE kWh. Das ist ein regulierter Vergütungssatz, der mit den wahren Netzkosten nichts, aber auch gar nichts gemein hat.
Leitungen nutzen sich durch Stromtransport nicht ab, halten 100 Jahre und sind längst abgeschrieben. Die meisten wurden damals von uns Steuerzahlern bezahlt und via VIAG und VEBA viele dann vor allem der heutigen E.ON geschenkt, also Reiches Ex(?)-Arbeitgeber. Die als Netzbetreiber uns damit noch einmal abzocken.
Dabei ist gerade bei dezentraler(er) PV-Produktion aber viel *weniger* Leitungskapazität nötig, als es braucht, den bisherigen Strom von zentralen Großkraftwerken aus zu verteilen.
Denn das Netz ist vorhanden und in der Rückrichtung Gebäude→Netz weitgehend unbenutzt. Da braucht wirklich nur wenig in der Mittelspannung ausgebaut werden. Alles, was es zum Anschluss eines neuen Solar- oder Windparks braucht, ist eine Stichleitung. Und selbst die muss noch der Parkbetreiber extra bezahlen.
Kraftwerke haben übrigens nie für das Netz zahlen müssen, obwohl eigentlich ja deren Betreiber qua Wahl der Standorte die Verursacher sind und Netzkosten *ihre* Vertriebskosten.
Im Ergebnis haben Netzbetreiber in DE im Durchschnitt Umsatzrenditen von 24 %, siehe Studien des BNE und jüngst von Tim Meyer. In einem Monopolmarkt wohlgemerkt, in dem sie nach Wettbewerbsrecht nur 5-7 % verdienen dürften. Und das auch nur, weil es eine Art Entgeltsummenobergrenze gibt.
Klar ist damit noch längst nicht alles gesagt, aber hier mach‘ ich lieber Schluss, ehe es auch meinen traditionell eigentlich niedrigen Blutdruck noch höher treibt. Clemens kannst ja bei Gelegenheit mal antworten, keine Eile.
Viele Grüße,
Markus