Folge 31: Weg mit dem Auto, her mit den Fietsen! (mit Kristian Köhntopp)

Folge 31: Weg mit dem Auto, her mit den Fietsen! (mit Kristian Köhntopp)

Vom Kampfradeln in Deutschland und wie eine intelligente Städte- und Wegeplanung in den Niederlande dafür sorgt, dass Fahrradfahren nicht nur entspannter, sondern auch sicherer ist. Mit Kristian Köhntopp.

Kristian Köhntopp (twitter.com/isotopp) wurde in Deutschland zum Kampfradler: In der endlosen Schlacht um den öffentlichen Verkehrsraum und das eigene Überleben hat er einige Tricks anzuwenden gelernt, um gegen die zahllosen Autos im städtischen Straßenverkehr zu bestehen. Als er vor Jahren schließlich in die Niederlande zog, durfte er am eigenen Leib erleben, wie viel durchdachter sich Verkehrsraum aufteilen lässt und wie sehr die schwächeren Verkehrsteilnehmer dadurch an Entspannung und Sicherheit hinzugewinnen.

Mit ihm sprechen wir über die Unterschiede zwischen Deutschland und den Niederlanden aus Sicht eines Fahrradfahrers. Wir lernen dabei viel über die dort angewendeten Verkehrskonzepte, die durch intelligente Städte- und Wegeplanung, sowie einer Unterordnung des Autos für mehr Sicherheit sorgen und wie ein ganzheitlicher Ausbau mit einem übergreifenden Zahlsystem den ÖPNV so attraktiv macht, dass man gern auf das Auto verzichtet.

Links zur Folge

Titelbild: flickr.com/Marco Verch (CC BY 2.0)

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24 Gedanken zu „Folge 31: Weg mit dem Auto, her mit den Fietsen! (mit Kristian Köhntopp)

  1. Zur (mysteriösen) Einstellung der Deutschen zu ihren Automobilen. Meiner Meinung nach ganz einfach:
    Deutschland hat Automobilhersteller: Porsche, Audi, VW, Mercedes BMW.

    Die sind einserseits wirtschaftlich bedeutsam, haben daher enormen Einfluß und lobiieren massiv gegen jede Art der Verkehrswende, moderne Städte, ÖPNV, Bahn, etc. Manche Regionen leben praktisch ausschließlich von ihren Automobilwerken und manche Städte sind eigentlich nur Automobilwerke mit Randbebauung (bzw. Arbeitersiedlungen drumrum).

    Andererseits ist das Automobil in Deutschland auch identitätsstiftend. In der Wahrnehmung vieler Deutschen ist das deutsche Automobil das beste der Welt, Deutschland ist Autoland und das Automobil der Blech gewordene Ausdruck des deutschen (Ingenieurs)genie.

    Das ist etwas was dem Land jetzt furchtbar auf die Füße fällt: Das Zeitalter des Automobils geht zu Ende, und das vermeintliche Vorzeigestück deutscher Ingenieurskunst, der Verbrennungsmotor, riecht schon komisch. Die deutsche Politik hat völlig versagt diesen Wandel rechtzeitig zu erkennen (das Elektroauto verpennt, Verkehrswende verpennt, etc.)

  2. Ich wollte einen ähnlichen Kommentar eigentlich schon zur letzten Folge schreiben; gut dass das jetzt thematisch auch noch passt. Der Einfachheit halber verwerte ich auch einen meiner Facebookkommentare wieder, dann ist hier zumindest auch alles beisammen:

    Ich bin einige Jahre zwischen Dortmund Innenstadt und Ruhr Uni Bochum gependelt (~23km). Das dauerte mit den Bahnen zwischen 45min und 1,5h, normalerweise ca. 1h. Wenn man das jemandem erzählt erntet man erstmal unverständnis, denn „Der RE braucht doch nur 10 min von Dortmund nach Bochum“. Das stimmt auch, aber: 15min Wohnung–>Do HBF (egal ob Bahn oder zu Fuß), ca. 5 min auf den RE warten, 10 min RE fahren, nochmal 5-10 min zwischen RE und UBahn Bochum, dann 10-15min fahrt, zum Schluss ~5min zwischen Haltestelle Uni und dem eigentlichen Arbeitsort. Einziger positiver Nebeneffekt: Ich hatte viel Zeit zum Lesen, so viel gelesen wie in dieser Zeit habe ich selten. Und es war dank Studiticket quasi gratis (pro tip: mit dem Semesterticket der Ruhr Uni hat man ein Ticket für jeglichen Nahverkehr in NRW zu einem unschlagbar günstigen Preis).
    Mit dem Auto braucht man Tür-zur-Tür etwa 20-30 min.

    Mittlerweile wohne ich in Bochum, und damit näher an der Uni (~8km) und fahre die mit dem dem Rad. Das ist etwa genau so schnell geht wie mit der Bahn, dabei aber gleichzeitig aber zuverlässiger. Weiterhin gibt’s etwas Sport im Prinzip gratis dazu und das (auch coronaunabhängige) Infektionsrisiko besonders im Winter ist geringer. Kälte und Nässe beim Radfahren sind für mich ein erstaunlich kleines Problem. Als ich angefangen bin regelmäßig zu radeln dachte ich es würde im Winter unangenehm, aber mit Jacke und Handschuhen ist es (zumindest meiner Erfahrung nach) kein Problem.
    Mit dem Auto ist die aktuelle Strecke in 10-15 min zu machen, aber das ist die Zeitersparnis und den ganzen anderen damit verbundenen Stress nicht wert. Außerdem hab ich kein eigenes Auto.

    Drehen wir das Ganze nochmal um: Meine Freundin arbeitet in Dortmund. Bei ihr ist es aber (im Gegensatz zu mir) einigermaßen wichtig dass sie pünktlich da ist. Sie fährt dort mit einem 2008er 1.2 Seat Ibiza hin (zugegeben, der war geschenkt). Die Karre kostet bisher mit allem <9€/100km, sagen wir 10, macht bei grob 1000km Arbeitsweg im Monat 100€. Das günstigste sinnvolle ÖPNV Ticket kostet 113€/Monat.
    Das mit dem Auto ist natürlich etwas schöngerechnet, und ich bin mir auch nicht sicher ob die Betriebskosten auch über einen längeren Zeitraum so niedrig bleiben. Die Öffikosten könnte sie noch in etwa halbieren indem sie sich irgendwo als Student einschreibt (und dann gibt's auch noch wie schon erwähnt ganz NRW anstatt 25km als Bewegungsradius…).

    Ich hab jetzt etwas vergessen wo ich mit diesem Kommentar eigentlich hin wollte. Egal, ich glaube als Beschreibung meiner Themarelevanten Erfahrungen taugt er ganz gut.

    1. Ergänzung:
      Was mich beim Radfahren sehr nervt sind frisch gestartete Autos mit noch kalter Abgasreinigung (besonders im Winter). Als Fußgänger macht mir das nicht viel aus, aber wenn ich zügig mit dem Rad unterwegs bin und entsprechend Luft brauche nervt ungesäubertes Abgas extrem. Dabei macht auch Alter, Marke und Treibstoff des Autos keinen großen Unterschied.

      Mit dem Rad meide ich grundsätzlich Hauptverkehrsstraßen, und fahre nach Möglichkeit außerhalb der Stoßzeiten (z.B.: Start morgens um 05:30). Das vermeidet den angesprochenen Stess durch autobedingte Nahtoderfahrungen deutlich, und die Luft ist noch vergleichsweise sauber.

  3. Moin,
    interessante Folge. Die Heidelberger Innenstadt ist auch so ein Gebiet bei dem es einem völlig absurd vorkommt das dort mal Autos durchgefahren sind, aber das war lange so und es vermisst eigentlich niemand.

    Zum Ruhrgebiet die Situation ist so es hatte jede Gießkanne seinen eigenen Verkehrsverbund die aber mittlerweile zusammengefasst sind.
    Das ganze zieht sich mittlerweile über mehr als 20 Jahre hin und hakt manchmal immer noch.
    Übersicht: https://infoportal.mobil.nrw/nrw-tarif/tariflandschaft-in-nrw.html
    Powerpointzusammenfassung: https://infoportal.mobil.nrw/fileadmin/02_Wiki_Seite/01_Organisation_Finanzierung/01_OPNV_Organisationsstruktur/Entstehung_VV_VG_2018.pdf

    Entsprechend komme ich mit meinem Jobticket natürlich nicht problemlos von Duisburg zu meiner Freundin nach Minden und fahre momentan mit dem Motorrad. Die fahrt mit dem Zug ist an sich nicht übel, aber teuer.

    Die Verkehrsverbünde, Beförderungsbedingungsdurcheinander und Tarifspinnereien zwischen diesen empfinde ich persönlich als eine einzige Katastrophe und ich sehe keinerlei Vorteile irgendwas davon zu behalten, bzw wenn wir einen Wechsel im Verkehr haben wollen müssen diese IMHO restlos abgeschafft werden.

    Beispiel, Ich bin eine Zeit lang zwischen Heidelberg (Neuenheimer Feld mit Parkplatz) und Darmstadt (Parkplatz vor der Firma) gependelt das ist mit dem Auto zwischen 45min und 80min je nach Verkehrslage auf A5 oder 67. Beste Zeit mit dem Zug war knapp eine Stunde Tür zu Tür. Das Ticket für den IC hatte damals 330€ gekostet, hab ich daher nur einen Monat gemacht, obwohl das meistens gut funktioniert.
    Mit den Regionalbahnen ist man etwa 90 Minuten unterwegs, davon 60 Bahn. Aber es gibt kein echtes übergreifendes Ticket weil zwischendrin der Verkehrsverbund wechselt, ich hab das einfach mit meinem Studententicket überbrückt.
    Fahrradmitnahme natürlich nicht kostenlos zu meinen Fahrzeiten, Fahrradticket ca. halbes Monatsticket extra für den Bereich aus dem VRN, im hessischen RMV kostenlos, wohlgemerkt das ist derselbe Zug der von HD bis DA einfach durchfährt.
    Die DB hat in diesem Zeitraum übrigens die ICs modernisiert und dabei Fahrradplätze abgebaut, ein paar der Uniklinik Leute in HD sind denselben Weg gependelt und haben sich daher alle diese überteuerten Kleinradklappräder gekauft für die man kein Ticket benötigt.
    In DA hätte ich ein Leihrad nicht an meinem Zielort abstellen können sondern hätte dann noch 2km zu Fuß gehabt, hab im VRN einfach ein paar mal auf die Tränendrüse gedrückt, Fahrradmitnahme kostet dort übrigens zwischen 7 und 9 uhr Werktags ansonsten ist es frei.

    Seitdem bin ich der Meinung das dem ÖPNV Management und Verkehrsministern der Führerschein und der Fahrdienst abgenommen wird und die jede Fahrt zwar kostenlos aber mit dem eigenen System buchen müssen, am Ende vom Monat gibt es eine Kostenaufstellung in der sie den eigentlich zu zahlenden Betrag abzeichnen müssen. Nach spätestens 4 Jahren ist ÖPNV hier sehr sehr gut.

  4. Der Gehweg ist nicht nur Verkehrsfläche für Fußgänger, sondern auch der Kommunikation gewidmet. Auf dem Gehweg treffen sich alle Menschen, jung und alt, gesund oder mit Handicap, spielend oder kommunizierend, solange sie mit geringer Geschwindigkeit unterwegs sind.
    Fahrräder mit Erwachsenen sind zu schnell und gehören nie auf den Gehweg. Ist deswegen auch verboten.
    Autofahrer nehmen den Radfahrern oft den ihnen zustehenden Raum weg. Oder sie gefährden die Radfahrer.

    Es ist aber unanständig, wenn es die Radfahrer den Autofahrern gleichtun und nunmehr ihrerseits sich einen Schwächeren suchen und dann den Fußgängern den Raum nehmen und Fußgänger gefährden.

    1. »Der hat doch nicht den Platz gemietet hier, die Straße! Das muss doch Gebühren kosten…«

      Herrlich! Die Ironie scheint den Passanten entgangen zu sein.

  5. Ich sehe bei niederländischen Ampelkreuzungen vor allem drei Vorteile:

    1) In der Regel bekommen Radverkehr, Autoverkehr und Fußverkehr nicht gleichzeitig Grün. So gibt es auch keine Probleme mit Rechtsabbiegern und Totem Winkel, denn wenn die Radfahrer geradeaus fahren dürfen, haben rechtsabbiegende Autos Rot.

    2) Fast alle Ampel haben Kontaktschleifen (ältere Systeme) weit vor der Ampel oder Kameras (wie im Podcast erwähnt). Und da oft auch alle Spuren mit eigenen Ampeln versehen sind (wie links- oder rechtsabbiegende Autos), können Kreuzungen ideal gesteuert werden. Das hat dann auch Vorteile für Autos, denn wenn viele Autos rechtsabbiegen wollen aber nur ein Fahrrad geradeaus will, dann bekommen die Autos Grün. Oder auch nicht, je nachdem, wie man das steuern will. Vorteil: Weniger Staus und Grün wenn ich es brauche. Schon erlebt, auf Linksabbiegerampel mit Auto zugefahren, Ampel wurde gerade Rot, aber da nirgendwo jemand anderes wartete, wurde die gleich wieder Grün. Das sollte doch ein Argument für die Autofahrer:innen. Vorteil: Fahrräder bekommen schneller und sicherer Grün und akzeptieren das dann auch eher.

    3) Und natürlich die Trennung von Rad- und Autoverkehr durch „protected lanes“ (also bauliche Trennung).

    Ich wohne nun seit drei Jahren in den Niederlanden, mittelgroße Stadt, und selbst in Dörfern ist das so. Davor in verschiedenen deutschen Großstädten gewohnt, da ist das nirgendwo so. Und gerade Punkt 2) sollte ja für ein Technologieland attraktiv und möglich sein (und wälzt die Verantwortung nicht auf Lkw-Hersteller und -fahrer ab.

  6. Geiler Podcast.
    Als Nicht-Führerscheinbesitzer (bin 59) extrem erschütternd.

    Ich habe nix gegen Autos. Als Idee. Aber dass es so nicht weitergehen kann, dürfte klar sein.
    Als Fahrrad- oder, in letzter Zeit- Leihscooterfahrer bin ich sehr dankbar für die Tipps. Bzgl. Auffälligkeit. Hier in Osnabrück… Boar. Hart.
    Und auch Applaus für den freundlichen… bzw unfreundlichen Anarchismus des Herrn Köhntopp.
    Französischer Adventskranz.
    Schön!
    Wir sind 20 Jahre hinten. Was dieses Thema angeht.
    Wie oben jemand kommentierte: wir haben die Autoindustrie.

    H.

  7. Interessante Darstellung eines engagierten Radfahr-Befürworters. Es gibt sicher viel zu tun in Deutschland, gerade in der kleinen, dummen Stadt, in der ich lebe. Ich sehe auch ein, daß man für Verbesserungen als Radfahrer tapfer streiten muß, aaber:
    Ich wage doch zu bezweifeln, daß das im Beitrag ständig erwähnte Androhen von Prügeln und dergleichen ein angemessenes Mittel ist. Es ist halt generell ein Problem, wenn einzelne Bürger sich im Besitz der alleinigen Wahrheit wähnen und das dann auch noch robust durchsetzen wollen. Auch das ständige Verdichten der Problematik auf: „Dadurch sterben Leute“ ist mir etwas zu eindimensional.

    1. Dem kann ich nur voll zustimmen. So viel interessantes und auch bedenkenswertes an Schilderungen zu hören war, so sehr haben sich mir die Nackenhaaren aufgestellt, wenn Gewalt als probates Mittel zur Durchsetzung von Interessen dargestellt wurde.
      Im Grunde ist das schade, denn so kann man den Gast problemlos in die Kampfradlerecke stellen und die guten Sachen, die er auch gesagt hat, damit entwerten.

      Ich hätte mir an den entsprechenden Stellen wenigstens ein wenig Gegenrede gewünscht. So sind diese Äußerungen in der Folge weitgehend unkommentiert geblieben. Das sendet ein falsches Signal.

  8. Mal wieder eine brillante Folge — viel gelernt dabei. Dank an euch drei!

    Zum Thema an sich: gehört habe ich das im Auto. Fernpendler, Bahn ist immer noch so kaputt das A3 schrubben in einem (sehr lauten) italienischem Kleinwagen immer noch vorzuziehen ist. Das ist schon traurig. Noch schlimmer: keine Option den Kübel einfach an der Stadtgrenze abzustellen um dann mit Öffis oder Klapprad zur Wohnung zu kommen. Das P&R Angebot gibt es nicht. Nachts fährt hier eh nix mehr. Radinfrastruktur?! Harr harr. Und vor der Bude steht alles voll mit SUVs und Womos.

    Suboptimal. Und so unlogisch. Ich bin wirklich unheilbarer Autonarr. Aber der PKW ist einfach das komplett falsche Verkehrsmittel für die Stadt. Die Analogie hinkt — aber die Leute haben sich auch dran gewöhnt die dreckigen Schuhe an der Wohnungstür auszuziehen…

  9. Als Student (Mitte-Ende der 00er-Jahre) wollte ich gerne mit dem Rad zur Uni pendeln, um mir das Busfahren vom und zum Bahnhof zu ersparen. Mit den Öffis waren die ~25km von Haustür bis Hörsaal in etwa 75min zu machen; mit dem PKW trotz Rush Hour in etwa 35min. Leider erlaubt die Bahn die Fahrradmitnahme erst nach 9:00 Uhr kostenfrei mit dem Semesterticket – oder alternativ gegen Kauf eines Fahrradtickets.

    Aber jeden Morgen am Automaten ein Fahrradticket lösen? Das macht auch keinen Sinn. Also fragte ich beim Verkehrsverbund an. Deren (ernst gemeinte!) Antwort war: Fahrrad-Mitnahme-Tickets sind im Prinzip Schülertickets. Wenn ich also ein Fahrrad-Ticket als Monatskarte möchte, müsste ich eine Schülermonatskarte kaufen. Und das wiederum wäre kein Problem. Ich bräuchte bloß einen Schulleiter finden, der meinem Fahrrad einen Schülerausweis ausstellt…

  10. Die Autokosten sind aber nicht nur ein bißchen schöngerechnet.
    Ich bin nicht der ADAC, aber zu den 12tkm= 1090€ kommen ja noch Steuer (100?€),Versicherung (300€), alle 2 Jahre Inspektion (300€), dazu noch Ersatzteile und Wertverlust. Ohne Werverlust,Parkgebühren und Teile bist du also schonmal bei 135€/Monat.

  11. Da auch in diesem Podcast der Schwerpunkt auf großstädtischem Verkehr und seinen Problemen liegt möchte ich einfach mal noch ein Bild aus der ostwestfälischen Provinz beisteuern. Hier lebe ich in einer Stadt mit um die 80.000 Einwohnern. Der ÖPNV hier wird ausschließlich von Bussen bestritten, die Straßenbahn wurde kurz nach dem letzten Krieg abgebaut. Diese Busse fahren im Sternverkehr. Bedeutet: aus den verschiedenen Stadtteilen fährt man mehr oder weniger direkt in die Innenstadt zum zentralen Busbahnhof. Dort kann man dann umsteigen und das eigentliche Ziel ansteuern. An den Hauptverkehrsadern wird im 20-Minuten-Takt gefahren, etwas ruhigere Stadtteile werden aber auch gern mal mit einer stündlichen Busanbindung beglückt. Die Dörfer außerhalb der Stadt werden 3x täglich angefahren (wenn überhaupt).

    Dieses System ist dann halbwegs brauchbar, wenn man in die Innenstadt möchte. Nur gibt es dort leider fast nur noch Klamotten- und Handyläden und ein paar Cafes – deshalb wollen die meisten eigentlich anderswo hin. Ich zum Beispiel habe von Daheim bis zu meiner Firma Luftlinie eine Strecke von etwas mehr als 6 Kilometern. Dummerweise befindet sich die Firma nicht in dem Stadtteil, in dem ich wohne, sondern einen Stadtteil weiter. Mit dem Bus ergibt das folgende Reise: 5 Minuten bis zur Haltestelle. Dann, je nach Linie (hier gibt es sensationelle 3, was absolute Spitze ist), 15-20 Minuten Fahrt bis in die Innenstadt (ca. 6 Kilometer). Dort dann 10 Minuten warten auf den Bus, der zum Ziel fährt. Die Fahrt dort hin ist dann relativ flott, 5-10 Minuten für ca. 3 Kilometer Luftlinie. Dann folgen noch einmal 5 Minuten Fußweg von der Haltestelle zur Firma (was hier ein wirklich guter Wert ist, viele andere haben da längere Wege zu gehen).

    Insgesamt ergibt das eine Reisedauer von 45-60 Minuten, die im Standard-Tarif… ich glaube 2,50 Euro kostet. Da bin ich mir nicht ganz sicher, ich habe dieses Angebot schon lange nicht mehr genutzt. Denn diese Strecke kann ich in der Zeit, die ich mit dem Bus benötige, schon beinahe zu Fuß bewältigen. Mit dem Rad dauert es bei sehr gemütlicher Fahrt nicht mal halb so lange. Mit dem Auto halbiert sich die Reisezeit ein weiteres mal.

    Und dann gibt es noch ein besonderes erwähnenswertes Schmankerl: die lokalen Busunternehmen arbeiten gerne mit Subunternehmern. Die wiederum haben häufig wechselnde Fahrer. Die kennen dann nicht selten ihre Routen nicht richtig – was dann durchaus dazu führen kann, dass die eine oder andere Haltestelle einfach mal nicht angefahren wird. Und schon verlängert sich die Reisezeit um weitere 20 Minuten – sehr zur Begeisterung von Schülern und generell allen, die darauf angewiesen sind, pünktlich anzukommen. Insbesondere dann, wenn das Wetter schlecht ist, denn Wartehäuschen an den Haltestellen sind hier ziemlich aus der Mode gekommen und werden immer weniger.

    Abschließend sei noch erwähnt, dass der letzte Bus am Abend von der Innenstadt zurück in meinen Heimatstadtteil um ca. 17:00 Uhr fährt. Was ziemlich schlecht zu meinen Arbeitszeiten paßt, an ettlichen Tagen käme ich damit gar nicht mehr per ÖPNV heim.

    Alles in allem ist der ÖPNV hier also für die meisten Zwecke ein ziemlich unbrauchbares Konstrukt und erfreut sich allgemein entsprechender Geringschätzung. Wenn man hier also mehr Autos von den Straßen bekommen möchte, müßte grundsätzlich einiges ganz anders werden. Allerdings muß ich zu meiner Schande gestehen, dass mir selbst eine zündende Idee dazu fehlt, wie dieses Verhältnis nachhaltig verbessert werden könnte. Aber vielleicht gibt es ja anderswo im Lande Orte ähnlicher Größe, in denen das bereits besser funktioniert? Wenn ja würde es mich sehr interessieren davon zu erfahren – denn wenn von Modernisierung im ÖPNV gesprochen wird, geht es dabei leider allermeistens um großstädtische Räume, jedoch selten um kleistädtische oder ländliche Gebiete. In denen leben jedoch auch viele Menschen, die sicherlich auch gern mehr Öffi fahren würden – wenn es denn nur eingermaßen Sinn machen würde, das zu tun.

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